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Sonntag, 3. Januar 2016

Jeanshose - Ende des Versuchs Nr. 1

Vielen Dank zu allererst für eure Hinweise zu den Anpassungen - sie waren sehr hilfreich! 
Die Jeanshose wäre so gut wie fertig (die Hosensäume sind bislang nur umgesteckt).

Der Schnitt ist wie bereits im letzten Post gezeigt aus der Fashion Style (Knip) 10/2015, Modell 3. Ausgewählt hatte ich ihn aus zwei Gründen:
- ich mochte die leichten Schlaghosen
- ich wollte eine Hose mit etwas tieferer Leibhöhe und in der Anleitung heißt es "Sitzhöhe -2 cm". Daraus habe ich geschlossen, dass ich hier den richtigen Schnitt vor mir hätte, zumal auch die Zeichnung aus meiner Sicht eine Hose zeigt, die eher tief geschnitten ist.





Ist nun daraus eine tragbare Hose geworden? Für mich leider nicht, es sei denn, ich würde in der Hose niemals sitzen. Aber seht erstmal selbst:


Meine Änderungen:
Vor dem Zuschneiden habe ich die Beinlänge des Schnittes gekürzt. Nahtzeichen gibt es bei Fashion Style/Knip nur spärlich. Ich habe bei den Änderungen eine Kaufjeans zum Vergleich herangezogen, das hat ganz gut geklappt.

An den Seiten habe ich nach der ersten Anprobe ein winziges Stück mehr Weite gegeben - allerdings wirklich nur minimal, da der Jeans recht stretchig ist und sich sicherlich noch dehnt. 
Richtung Taille habe ich an der hinteren Mittelnaht etwa 4 cm Stoff weggenommen.
An der hinteren Schnittnaht habe ich außerdem die Rundung vertieft.  

Hier noch ein kleiner Hinweis: Fashion Style/Knip sieht laut Anleitung an den Rundungen nur 1cm Nahtzugabe vor - daran sollte man sich nicht halten, denn sonst hat man definitiv zu wenig Stoff, um notwendige Änderungen durchzuführen.

Die Gürtelschlaufen habe ich zweimal zugeschnitten und genäht: Die Anleitung führt diese unter "vermaßte Schnittteile" auf. "Vermaßt" lese ich immer so, dass in den Maßen alles enthalten ist, also keine weitere Nahtzugabe erforderlich. Aufgepasst - das ist hier nicht so; hält man sich an die angegebenen Maße, bekommt man sehr, sehr schmale Gürtelschlaufen. Seltsamerweise hat aber der vermaßte Untertrittstreifen für den Reißverschluß gepasst. Mein Tipp - im Zweifel lieber nochmals nachmessen.


Nach wie vor habe ich noch einen Katzenbart vorne und auch Falten hinten - beides gibt es aber auch bei Kaufhosen, also würde mich das bei meiner ersten selbstgenähten Jeans nicht übermäßig stören, zumal abzuwarten wäre, wie sich der Stoff bei längerem Tragen verhält.

Bei den Bildern von hinten und der Seite sieht man nach wie vor deutlich, dass der Stoff ab Oberschenkel nach innen/vorne und im Bereich Knie nach außen/vorne zieht - hier stimmt der Fadenverlauf nicht bzw. die Hose ist nicht optimal an meine Körperform angepasst. Aber auch darüber könnte ich bei der "ersten Jeans" nochmal großzügig hinwegsehen - auch das gibt es meiner Erfahrung nach bei Kaufjeans.

Mein NoGo ist aber der Verlauf des Bundes: Die Hose ist entgegen meinen Erwartungen recht hoch geschnitten. Der Bund läuft über den Bauchnabel. Das ist ein Hosenschnitt, der in der Umkleidekabine immer sofort aussortiert wird, weil ich das beim Tragen als unangenehm empfinde. Bei dieser Fashion-Style-Hose ist es aber ein richtiges Problem. Denn wenn ich mich hinsetze, schiebt sich der Bund nach oben/innen und drückt auf den Magen. Am rückwärtigen Bund merkt man zeitgleich, was mit dem Hinweis "Sitzhöhe -2 cm" gemeint war - der Bund rutscht nämlich deutlich nach unten. 

Der Bund ist nicht einfach ein gerader Streifen, sondern ein Formbund. Das heißt, ich müsste ihn abtrennen, die Ansatzlinie vorne vertiefen (was Auswirkungen auf den Tascheneingriff und den Reißverschluß hätte) und dann den Bund neu konstruieren. Ich muss zugeben, darauf habe ich keine Lust, weil ich in der Summe finde, dass die Hose soviel Aufwand mit all den Passformmängeln für mich nicht lohnt.
 
Dass der Schnitt einfach nicht meiner ist, zeigte sich auch in der Reaktion meiner Söhne: "Mama, in der Hose siehst du irgendwie dicker aus", meinte mein Jüngster, und mein Großer erklärte im Vorbeigehen "Diese Hose macht dich 20 Jahre älter". Tja, was soll ich sagen - ich finde die beiden haben Recht ; )

Mein Fazit:
Das ist leider kein Hosenschnitt für mich, aber ich habe schon einiges über das Anpassen von Hosen gelernt und das ist ja ein Wert für sich:)
Da gerade überall Stoffe reduziert werden, habe ich vorgesorgt und einen kleinen Vorrat an Jeans und ähnlichem angeschafft, um übers Jahr die nächsten Hosen-Nähversuche zu starten.

Für alle, die wie ich das Hosennähen auf ihrer ToDo-Liste fürs neue Jahr haben, wäre mein Tipp vor allem - Gebt genug Nahtzugabe! Die braucht man dringend, um genügend Spielraum beim Ändern zu haben. 

Und falls jemand den ultimativen Jeansschnitt kennt - ich freue mich wie immer über jeden Hinweis!

Jetzt wünsche ich euch und euren Lieben ein schönes, entspanntes Jahr 2016 mit genügend Zeit und Ruhe, um eure kreativen Ideen umzusetzen!

Herzlich
Friedalene

Kommentare:

  1. Ein Bund, der beim Sitzen in den Magen drückt, ist ja gemein; so eine Hose würde ich auch nicht anziehen wollen.
    Ich schaue auch immer nach Schnittmustern mit eher tiefem Bund oder ändere das am Schnittmuster direkt, weil ich meine Hosen lieber hüftiger trage.
    Einen Schnitttipp für die ultimative Jeanshose zu geben, finde ich schwierig; es gibt ja so viele verschiedene Jeanshosentypen und jeder hat da wieder andere Vorlieben, welche Form er gerne trägt.
    Und die einschlägig beliebten Hosenschnitte aus der Nähcommunity sind dir ja eh bekannt.
    Vielleicht hast du ja auch eine gut sitzende Kaufjeans, die aussortiert werden muss und kannst dich an diesem Schnitt orientieren?
    Ich bin mal gespannt, was noch für Vorschläge kommen.
    LG von Susanne

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    1. Hallo Susanne,

      ja der Bund:(
      Aber was solls, ich finde, ich schaue schon ganz anders auf die Hosenschnitte oder meinen eigenen Versuch und das wars wert. Da ich ja Jeans gerne in Patchworkdecken "upcycle" hat mein Mann auch gleich den Vorschlag gemacht, dass ich ja nun wieder Material hätte für seine Decke (die wartet nämlich noch auf Vollendung).
      Ich werde wohl als nächstes einen Burda-Schnitt ausprobieren. Mit diesen habe ich einfach am meisten Erfahrung und wer weiß, vielleicht klappt es dann...
      Viele Grüße
      Friedalene

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  2. Ärgerlich, wenn nach den Anpassungen keine tragbare Hose entsteht.
    Die neue Birkin-Jeans, http://www.basteandgather.com/shop/birkin-flares, schaut der oberen Zeichnung aus der Fashion Style recht ähnlich, vielleicht wäre dieser Schnitt etwas für Dich?
    Genauer beschäftigt habe ich mich damit aber noch nicht, ich habe ja meinen Schnitt gefunden:)
    Viel Glück bei der weiteren Suche und liebe Grüße,
    Sandra

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    1. Was für ein interessanter Blog! Danke für den Hinweis. Ich habe auch gleich nach der Jeans geschaut, leider "high waist" - trotzdem, da werde ich nochmals in Ruhe vorbeischauen, denn ich habe gleich ein paar coole Outfits entdeckt... und Anregungen kann man nie genug haben.

      L.G.Friedalene

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  3. Liebe Friedalene, wie ich das alles nachvollziehen kann.
    Im gegenteil zu Dir, mag ich hohe Taille, liegt aber an meine Körperstatur.
    Es muss aber unter den Bauchnabel sein. Ich habe auch zu kurzen Hosen oft ein Mauererdekolte :(
    Den leichten Schlag (Bootcut) mag ich auch total. Eigentlich finde ich die Hose nicht so schlimm. Auch ich sehe es wie Du, es gibt so viele schlecht sitzende kaufware.... Meine weiße ist auch nicht perfekt und ich trage die dennoch. Weil ich a) Stolz bin eine gemeistert zu haben b) durch das Tragen vieles noch lernen kann c) eine weiße Jeans eh nicht lange halten wird :)
    Ich habe nicht den eindruck, dass Du darin Dicker wirkst, obwohl Fotos auch dazu neigen einen etwas breiter zu machen. Mit einem Blazer und einem Top darüber.... Warte doch mal eine Wäche ab ;) vielleicht wird die dann nach der Wäsche auch Sitzfreundlicher :D
    Ganz liebe Grüße Anita

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    1. Liebe Anita,

      danke für die ermutigenden Worte :)
      Ich bin auch gar nicht wirklich entmutigt, es wäre schon riesiges Glück, wenn meine erste selbstgenähte Jeans auf Anhieb was geworden wäre. Ich habe heute schon eine paar Hosenschnittvarianten aus meinem vielen Burda-Heften herausgesucht, die ich mal so übers Jahr verteilt ausprobieren werde.

      Viele Grüße
      Friedalene

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  4. Liebe Friedalene, Dir und Deinen Lieben ebenso ein schönes und kreatives neues Jahr! Wie schön, dass Du in 2015 Deinen Blog eröffent hast, er ist für mich eine wirkliche Bereicherung und ich lese immer sehr gern bei Dir. Mit der Jeans hast Du Dir ja gleich ein großes Projekt vorgenommen - alle Achtung. Es ist schon etwas entmutigend wenn die ersten Versuche nicht so recht gelingen. Ich selber mag für mich lieber weite Hosen und dann auch lieber etwas höher geschnitten .... ein ultimatives Schnittmuster für alle wird es daher wohl schwerlich geben. Gute Erfahrungen habe ich mit den Amazing Fit Schnitten von Simplicity gemacht. Da ist reichlich Nahtzugabe drin und der kurvenverlauf ist für verschiedenen Figurtypen vorbereitet. Einen richtigen Jeansschnitt gibt es zwar nicht, aber eventuell kannst du die Jeanszutaten wie Taschen einfach hinzufügen, wenn dann die allgemeine Form stimmt. http://www.schnittmuster.net/Deutsches-Simplicity-7322-Hose
    LG Kuestensocke

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    1. Liebe Küstensocke,

      vielen Dank für die netten Worte! Ich glaube ja, dass der Blog eine meiner besten Entscheidungen war, da mir der Austausch übers Netz zu unglaublich Freude macht.

      Ich bin momentan noch zuversichtlich, dass es mir übers Jahr gelingen wird, ein oder zwei gute Hosenschnitte zu finden und auch versierter zu werden, was die notwendigen Anpassungen betrifft. Besser wäre es - ich habe immer weniger Lust Kleidung zu kaufen, allerdings komme ich kaum an einem Stoffgeschäft vorbei, ohne zumindest mal nachgeschaut zu haben, ob es nicht doch ein nettes Stöffchen drinnen gibt, dass unbedingt mit zu mir nach Hause will... ;)
      Mit Simplicity habe ich noch gar keine Erfahrungen, aber da werde ich auf jeden Fall auch mal stöbern - Danke für den Link.
      LG. Friedalene

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